Über die Anwendung der Ähnlichkeitsregel

Ähnlichkeitsregel HomoöpathieSeit unserer ersten Bekanntschaft mit der Homöopathie werden wir mit der These konfrontiert, dass die Homöopathie auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beruht. Meistens ist man der Meinung, dass sich dies nur auf die Wahl des Heilmittels beziehen würde. Die Wahl des Heilmittels ist jedoch letztendlich nur das Ergebnis eines Vorgangs durch den der Homöopath und der Patient hindurchgehen und wobei das Ähnlichkeitsprinzip eine zentrale Stelle einnehmen soll.

Während der homöopathischen Konsultation steht der Patient mit seiner Frage um Hilfe zentral. Wollen wir etwas für diesen Mitmenschen bedeuten können, so sollten wir uns an erster Stelle auf den anderen Menschen einstellen, auf dasjenige was den Patienten beschäftigt. Wenn wir uns nach dem Anlass seines Besuches erkundigen oder nach den unterschiedlichen Symptomen und Effekten des Krankseins, so bietet uns das eine gute Sicht auf den Menschen der sich gegenüber uns befindet und ermöglicht das uns, uns auf den Patienten einzustellen. Dadurch, dass wir uns auf diese Weise, aus diesem Engagement heraus, auf den Patienten einstellen, machen wir im Grunde unser Bewusstsein dem des Patienten ähnlich. Die besten Konsultationen, sind die, während denen ich, als Homöopath, die Sprache des Patienten spreche, wodurch auch dadurch ein maximales Verständnis entsteht. Die Schwelle ist dann am niedrigsten. Es ist für den Patienten am leichtesten, aufgeschlossen zu sein und sich zu äußeren. Es gibt dann so wenig wie nur möglich Widerstand und der Patient spürt, dass man sich für ihn interessiert und ihm zuhört. Der Homöopath bekommt auf diese Weise einen sehr guten Kontakt und erhält die besten Symptome, jene Symptome, die den Patienten am meisten charakterisieren. Die Schwierigkeiten und Spannungen des Homöopathen bleiben außer Betracht und der Patient erfährt, dass nur ihm Raum gegeben wird. Das ist der Grund weshalb Hahnemann im § 104. sagt ” Ist nun die Gesamtheit der, den Krankheitsfall vorzüglich bestimmenden und auszeichnenden Symptome, oder mit anderen Worten, das Bild der Krankheit irgend einer Art einmal genau aufgezeichnet 137), so ist auch die schwerste Arbeit geschehen.”

Das nächste Problem ergibt sich für die Bildformung des Homöopathen. Das Bild, das der Homöopath von dem Patienten hat, sollte an erster Stelle so viel wie möglich analog sein an dem, wie der Patient sich selbst erfährt. Was Andere, seine Umgebung, von ihm halten, ist im Grunde weniger wichtig. Die Behandlung sollte sich ja dem anschließen, wie der Patient sich selber erfährt. Das betont aufs Neue die Wichtigkeit einer guten homöopathischen Anamnese. Erst wenn die Bildformung korrekt ist, kann im Prinzip mit der Analyse angefangen werden, wobei die Symptome, die dem Bild am meisten ähnlich sind, oder anders gesagt, jene Symptome die das Bild und Krankheitsbild des Patienten am meisten zum Ausdruck bringen, den höchsten charakteristischen Wert haben und die denn auch am schwersten wiegen, wenn man zum Verschreiben kommen will. Wenn das Gespräch nicht verläuft, sowie es verlaufen sollte, ist meine Vorstellung nicht richtig und wähle ich anschließend nicht die richtigen Symptome um in diesem Moment ein Heilmittel zu verschreiben. Dadurch geht der Patient nicht mit dem besten Heilmittel nach Hause. In dem Moment ist also Unähnlichkeit eingeschlichen und somit ist das verschriebene Heilmittel nicht das homöopathische für diese Situation. In diesem Sinne bilden das Gespräch, die Bildformung, die Analyse, die Repertorisation, die Differenzialdiagnose und die Potenzwahl die unterschiedlichen Phasen, durch die ich zum Schluss zum Similimum kommen kann. Sie bestimmen in diesem Moment, die Situation, die Phase in der sich der Patient jetzt befindet.

Der Moment ist jedoch nur eine Momentaufnahme in der Biographie des Patienten und wenn wir wirklich zu einer dauerhaften Gesundung des Patienten beitragen wollen, wird dasjenige, was wir jetzt verschreiben, sicherlich auch in Zusammenhang mit der Ätiologie und der Dynamik des Krankseins gebracht sein müssen, wie Hahnemann in seiner Krankheitslehre dargelegt hat. Handelt es sich um eine akute, heftige, intensive Phase mit der dazugehörigen Symptomatologie, so sollte das Heilmittel auch zu jener Kategorie gehören, welche auf Grund einer analogen, ähnlichen Veranlagung, diese Situation zur Dynamis hin spiegeln kann, um den Patienten zu einer besseren Homöostase zurückzuführen. Und jenes Heilmittel sollte in einer Frequenz verschrieben werden, welche sich aus Erfahrung als die meist angebrachte erwiesen hat. (§ 246)

Die Frequenz der Dosierung soll der Dynamik, der Geschwindigkeit, der Entwicklung des Krankseins ähnlich sein. Je heftiger das akute Bild der Beschwerden ist, je höher die Frequenz der Heilmitteleinnahme sein soll. Häufigere Dosierungen in einer akuten Phase und bei chronischen Krankheiten die träger verlaufen, erfordert die Ähnlichkeit, dass die Frequenz niedriger ist. Die Erregbarkeit des Patienten kommt u. a. in der Subjektivität und der Nuanciertheit der Symptome zum Ausdruck. Je empfindlicher der Patient ist, je mehr er auch den Symptomen Inhalt geben kann. Was es für ihn heißt, derartig krank zu sein und wie die Krankheit sein Leben beeinflusst. Umso besser kann der Patient den Wert der Empfindungen in Bezug auf die Symptome deutlich machen. Die Erregbarkeit des Patienten bildet den Leitfaden für die Wahl der Potenz der Dosis. Je empfindlicher der Patient, je kleiner die Dosis des zu verschreibenden homöopathischen Heilmittels. In Bezug auf die Potenz ist es noch nuancierter. Bei den C-Potenzen gilt oft die Regel, je mentaler die Symptome, je höher die Potenz. Für die LM-Potenzen ist dies nicht der Fall. Da fängt man die Behandlung mit den niedrigsten Potenzen an. (Anmerkung § 246) Das ist, weil die LM-Potenzen von den niedrigsten Potenzen an, nach Art und Wirkung, im Stande sind, sehr tief und dennoch mild zu wirken.

Schließen die Potenz und die Dosierung gut an der Erregbarkeit des Patienten an, mit anderen Worten habe ich es, als Homöopath, richtig verstanden und die Ähnlichkeitsregel richtig angewandt, so wird der Patient ohne belastende Verschlimmerungen auf dem Wege der Besserung sein. Das wird der Fall sein, wenn das Heilmittel richtig gewählt worden ist, die Potenz mit dem Niveau des Krankseins übereinstimmt, die Frequenz mit der Dynamik des Krankseins und die Dosierung mit der Erregbarkeit des Patienten. Der Homöopath wird auch die Biographie des Patienten berücksichtigen müssen. Die Regel von Hering beruht auf der Wichtigkeit der Ähnlichkeitsregel in Bezug auf die Biographie und die Krankheitsgeschichte des Patienten. Das ist der Grund, weshalb die großen Homöopathen das Verschwinden der Symptome ” in umgekehrter Folge des Entstehens ” so betonen, da dies ein sehr gutes Bild gibt vom Verlauf der Behandlung chronisch kranker Patienten. Wenn die Beschwerden in umgekehrter Folge, in der sie entstanden sind, verschwinden, ist dies ein Zeichen, dass der Pfad, den das Kranksein während des Entstehens gegangen ist, ordentlich in umgekehrter Folge zurückgelegt wird und der Patient allmählich gesünder wird. Jede strukturelle Abweichung von diesem Weg bedeutet meistens, dass dann leider von einer dauerhaften Wiederherstellung der Gesundheit noch nicht die Rede sein kann. Der Gebrauch von Heilmitteln, wie die Nosoden, hat deutlich eine Funktion, wenn es darum geht die pathologischen Tendenzen aus der eigenen Biographie des Patienten oder aus den erblichen Belastungen mit denen dieser geboren wurde, zu neutralisieren. Es sind schlechthin diese Nosoden, die denn auch die Anwendung der Ähnlichkeitsregel, gleichsam ” rückwirkend ” in die Geschichte, die Prädisposition und die erblichen Belastungen, ermöglichen und die damit dem Patienten die Möglichkeit bieten, eine wirklich erneuerte Gesundheit zu erwerben. Damit ist “Zeit” mittels der klassischen homöopathischen Behandlung ein sehr relativer Begriff. In dem Bestreben, die Konstitution des Patienten zu optimieren, bilden die Mineralheilmittel, die Heilmittel die auf dynamischem Niveau im Stande sind die für diesen Patienten typische und charakteristische Symptomatologie zu spiegeln. Es sind denn auch diese Heilmittel, die auf Grund ihrer tiefen Wirkung Konstitutionsmittel genannt werden. Das Bestreben, die Grundverfassung, oder die Konstitution des Patienten, zu optimieren kann, laut Hahnemann, ausschließlich auf Grund der Ähnlichkeit zwischen der chronischen Symptomatologie des Patienten und den verschrieben Konstitutionsmitteln stattfinden, um die chronisch psorisch miasmatische Belastung neutralisieren zu können. Die Anwendung von dem, was wir die Ähnlichkeitsregel nennen, kennt also unterschiedliche Aspekte. Die richtige Anwendung dieser Ausgangspunkte bildet letztendlich die Voraussetzung dafür, den Patienten zur Selbstgesundung, kommen zu lassen.

Für Kontakt: info@klassischehomoopathie.de